Microsoft - Cloud Giant and Leading Productivity Software Provider

Veröffentlicht am 30.09.2022

  • riesiger Burggraben und Synergien durch das Betriebssystem Windows in Kombination mit der Bürosoftware Microsoft 365
  • unzählige Platform as a service (PaaS) und Infrastructure as a Service (IaaS) Dienstleistungen mit der Azure Cloud
  • strategisch spannende Zukäufe in den hochmargigen Wachstumsbranchen Advertising, Cyber Security und Gaming 
  • extrem hohe Gewinnmargen von 37% und moderates Umsatzwachstum von 18%, aber weltweite Probleme senken Profitabilität und Wachstum
  • hohe Sicherheit bei 27er KGV und 1% Dividendenrendite mutmaßlich bereits eingepreist

Zehrt der Softwaregigant nur noch von der glorreichen Vergangenheit oder stehen auch in Zukunft alle Türen offen? 

Über Microsoft:

Bereits im Jahr 1975 wurde das US-Unternehmen von Bill Gates und Paul Allen gegründet und  dann, 11 Jahre später, 1986 an die Börse gebracht. Von 2000 bis 2014 übernahm Steve Ballmer die Führung und seit 2014 ist Satya Nadella an der Spitze als CEO. Mittlerweile hat das Unternehmen 221.000 Mitarbeiter und ist mit 2 Bio. € Marktkapitalisierung nach Apple und Saudi Aramco das drittgrößte Unternehmen weltweit.

In den 90er Jahren, mit dem revolutionären Windows als grafischem Betriebssystem und zusammen mit Microsoft Office, ebnete das Unternehmen den Weg ins personal computing. Später versuchte Microsoft auch vergeblich im Mobile-Markt Einfluss zu gewinnen, unter anderem durch die Akquisition von Nokias Smartphone-Sparte im Jahr 2014. Dieser Fehlschlag wurde mit einem Turnaround beendet: Das Mobile-Geschäft wurde stillgelegt und man investierte stattdessen massiv in Cloud und Business Software.

Mittlerweile erstreckt sich Microsofts Portfolio über eine Vielzahl von Produkten für diverse (Enterprise-)Aufgaben. Mittels Subskription und Advertising monetarisierte Produkte für den Endnutzer sind unter Anderem: 

  • die Office Pakete
  • LinkedIn
  • die Bing Suchmaschine
  • Dynamics, eine CRM-Software
  • Nuance, ein kürzlich erworbener Spracherkennungsdienst
  • Teams, ein Videotool für hybrides Arbeiten
  • HoloLens, eine Brille für Mixed Reality 
  • Power Platform, eine low-code Produktivitätssuite 
  • Viva, eine Wissensplattform für Angestellte

Andererseits bietet Microsoft für Entwickler über zweihundert Plattform- und Infrastrukturdienste innerhalb einer gigantischen Cloud namens Azure. Diese unterstützt Nutzer flexibel bei jeder Entwicklungsphase einer Software und ist consumption-based bepreist. D.h. die Kosten skalieren mit der Größe der genutzten Ressourcen wie Datenbankspeicher, Cloud-Apps, virtueller Maschinen oder ereignisgesteuerter Funktionen. Durch spezielle Programmiersprachen wird die entwickelte Software der Kunden immer stärker mit den Azure Diensten verwoben, sodass es sich für sie mit der Zeit kaum noch lohnt von Azure zu einer anderen Cloud wechseln.

Marktumfeld:

Microsoft Azure ist mit einem Marktanteil von 21% die zweitgrößte Cloud nach AWS (35%), gefolgt von Platz 3: Der Google Cloud (9.5%). Momentan erobern die Google Cloud und Azure Marktanteile, jedoch ist die Google Cloud noch unprofitabel, während Azure bereits als Cashcow beschrieben werden kann. AWS hingegen gilt als der sehr teure Platzhirsch. 

Zwar erzielt Microsoft den großen Teil des Umsatzes im B2B Geschäft, um jedoch sog. Lock-In Effekte zu erzeugen, wird ihre Software trotzdem günstig und teilweise sogar kostenlos für Privatkunden zur Verfügung gestellt, damit diese sich an das Ökosystem rund um das Windows Betriebssystem und Microsoft Office gewöhnen. Um Einarbeitungszeit zu sparen, entscheiden sich dann Firmen oft für die Nutzung der vertrauten Dienste von Microsoft. So spielt es z.B. der Office Suite in die Karten, dass diese bei Windows vorinstalliert ist. Im Jahr 2020 hatte Microsoft Office in Deutschland unglaubliche 85% Marktanteil, gefolgt von 9% für Google Docs und 2% für Apples Office Suite. Viele Microsoft Dienste sind wiederum mit Office verwoben, wie bspw. Dynamic 365. Dieses schnell wachsende CRM-Tool kann die Marktanteile von 5.3% in dieser Sparte potentiell durchaus ausbauen und so von den Platzhirschen Salesforce mit 23.8%, SAP mit 5.4% und Oracle 5.1% abnehmen.

Weiterhin hat Microsoft mit Xbox eine zwar bisher nur kleine Gamingsparte. Jedoch wird massiv in die schnellwachsende Branche investiert und es werden Synergien mit dem Cloud-Gaming geschaffen. So wurde 2020 ZeniMax Media für $7.5 Mrd. übernommen und momentan steht die größte Übernahme der Geschichte bevor: Activation Blizzard soll für $68.7 Mrd. gekauft werden.

Anhand der aktuellen Übernahmen von Xandr (12/2021) und Oribi (02/2022) lässt sich erkennen, dass Microsoft den Werbeumsatz auf Bing und LinkedIn vergrößern möchte und durch den Kauf von Miburu (06/2022) auch in Cyber Security investiert.

Zahlen:

In den letzten Jahren ist Microsoft wie ein Phönix aus der Asche gestiegen: Die operative Marge wurde von 24% in 2016 auf 42,5% in 2021 erhöht. Außerdem wurde die Gewinnmarge vom Tief 2017 mit 11.7% auf satte 38.5% gesteigert und der Umsatz mehr als verdoppelt.

Aktuell hat Microsoft das Geschäftsjahr 2022 mit $51.9 Mrd. Umsatz im Q4 bereits beendet und erzielte ein Wachstum von 12%, bzw. währungsbereinigt sogar 16%. Dieses setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • Productivity and Business Processes ist um 13% auf $16.6 Mrd. gewachsen, wozu insbesondere LinkedIn mit einem Wachstum von 26%, Office mit 15% und Dynamics mit 31% beigetragen haben.
  • Intelligent Cloud ist um 20% auf $20.9 Mrd. gewachsen, wobei Azure mit gigantischen +40% der Wachstumstreiber ist.
  • More Personal Computing wuchs nur um 2% auf $14.4 Mrd.. Insbesondere schrumpften die Umsätze bei Windows OEM um 2% und bei Xbox um 6%. Dafür gab es bei Search und Advertising +18% und bei der Surface-Sparte (Microsofts eigene PC-Hardware) +10% Wachstum.

Getrieben von Investitionen in Cloud Engineering, LinkedIn und Nuance war in diesem Quartal das Wachstum der operativen Ausgaben mit 14% höher als das Umsatzwachstum. Außerdem musste aufgrund externer Einflüsse die Guidance für das vierte Quartal 2022 (also für Microsofts Geschäftsjahr: Q1/23) anpasst werden und die ursprüngliche Prognose wurde demnach nicht erfüllt. Dies liegt an zusätzlichen Kosten, welche $1.23 Mrd. betrugen. Diese setzten sich aus Währungseffekten, Produktionsausfällen in China, dem Zurückfahren des Russlandgeschäfts und Mitarbeiterabfindungen zusammen. So betrug in den letzten 12 Monaten das Umsatzwachstum 17.96%. Es ist also im Vergleich zu 20.6% im Kalenderjahr 2021 etwas gesunken. Außerdem sind im Vergleich zu Ende 2021 die Bruttomarge von 69% auf 68.4% TTM, die operative Marge um 0.4 Prozentpunkte und die Nettomarge um 1.6 Prozentpunkte auf 36.9% TTM gesunken.

Anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses erkennt man, dass die Aktie nach der Börsen-Rallye des letzten Jahres im Vergleich zu anderen Aktien gar nicht so stark gefallen ist. Zwar ist das KGV von 36 in 2021 auf aktuell 27 (Stand: 16.09.22) gesunken, es ist damit aber noch immer höher als 2018, als es bei 23 lag. Auch mit einer Bewertung vom 9.8-fachen TTM-Umsatz ist das Unternehmen nicht gerade günstig.

Die Ausschüttung der Gewinne an die Aktionäre ist wie folgt strukturiert: Insgesamt hat man im letzen Quartal $12.4 Mrd. genutzt um die Shareholder bei Laune zu halten. Von diesem Betrag wurden $7.8 Mrd. in Aktienrückkäufe investiert und die restlichen $4.6 Mrd. als Dividenden ausgezahlt. Dies entspricht einer Dividendenrendite von ca. 1%. Die Dividende wurde seit 16 Jahren konstant gezahlt und erhöht.

ESG:

Ein Unternehmen, welches global so enorm viel Geld verdient, sollte natürlich auch Verantwortung für eine bessere Welt tragen. Im Geschäftsjahr 2020 reduzierte Microsoft den eigenen CO2-Verbrauch um eine halbe Million Tonnen und durch globale Spenden sogar um 1.3 Millionen Tonnen. 

Mit der eigenen Lösung Microsoft Cloud Sustainability können Organisationen ihren Umwelteinfluss tracken und reporten. Microsoft möchte bis 2025 100% regenerative Energie nutzen. Bis 2030 möchte das Unternehmen den eigenen Wasserverbrauch überkompensieren, CO2 negativ sein und keinen Müll mehr erzeugen. Bis 2050 soll der komplette historische CO2-Verbrauch kompensiert werden. 

In über 235 Fabriken innerhalb Microsofts Lieferkette gibt es Mitarbeiterhotlines, um anonym Beschwerden einreichen zu können. Außerdem wurden bereits $14 Mio. an sechs humanitäre Einrichtungen gespendet. Seit 2017 haben über 33 Mio. Menschen in digital unterversorgten Gemeinden durch Microsoft eine bessere Breitbandverbindung erhalten. Im Jahr 2021 hat man $410 Mio. in Cash und Technologie für die Bekämpfung von COVID-19 zur Verfügung gestellt.

Fazit:

Wie man an den etwas schlechteren Zahlen im letzten  Quartal sehen kann, geht die Rezession und geopolitische Lage nicht spurlos an Microsoft vorbei. Doch selbst wenn sich dieser Trend in einem Negativszenario fortsetzt, dann generiert Microsoft trotzdem noch sehr lange Berge von Cash. In der Tat bietet das Unternehmen eine gute  Kombination aus Umsatzwachstum und sehr hoher Gewinn- und Cashflowmarge an – die Rule of 40 Metrik ist immer noch über sehr guten 50%. 

Microsoft ist durch die verschiedenen Umsatzströme gut diversifiziert und hat eine strategische Ausrichtung in die profitablen Wachstumsmärkte Cloud, Cybersecurity, CRM, Gaming und Advertising. In Kombination mit dem Windows-OS Burggraben und den Lock-In Effekten im Cloud-Geschäft sollten sie auch langfristig weiter zweistelliges Wachstum erreichen können. 

Bei dem aktuellen Gewinnwachstum von 18.7% TTM ergibt sich ein attraktives PEG-Verhältnis von 1.44 TTM und die Firma ist damit, unter diesem Gesichtspunkt, moderat bewertet. (Laut Peter Lynch liegen hier sehr gute Werte bei unter 1.)

Kurzfristig muss man bei diesen unsicheren Zeiten trotzdem damit rechnen, dass das Softwaregeschäft leidet und so das Umsatzwachstum auch unter 10% fallen könnte, was auch den Aktienkurs drücken könnte.

Insgesamt schätzen wir Microsoft als attraktives Investment ein, da man bei der Aktie die Möglichkeit hat, an einem  innovativen Technologieunternehmen zu partizipieren, welches trotzdem sehr viel Sicherheit bietet.