Alphabet - viel mehr als eine Suchmaschine?

Veröffentlicht am 13.10.2022

  • Breit aufgestelltes Technologieunternehmen mit tiefem Burggraben
  • Search Business bleibt primärer Umsatztreiber
  • Wachstum des Cloud Geschäfts stagniert im aktuellen Jahr
  • Werbemarkt könnte stark unter der drohenden Rezession leiden

Sollte man in Zeiten drohender Krisen auf die Mutter der Online Advertising Businesses setzen?

Über Alphabet

Neben der bekannten Suchmaschine Google sind bei Alphabet noch einige weitere Projekte Teil des Portfolios. Darunter zählt die Videoplattform YouTube, der Webbrowser Chrome, das mobile Betriebssystem Android und mittlerweile auch ein Cloud Computing Dienst. Doch wie verdient die Google Mutter ihre Brötchen? Die primäre Umsatzquelle liefert das Ad Business. Jedes mal wenn ein Nutzer etwas in das in das prominente Suchfeld eingibt, generiert ein Algorithmus eine Liste von Webseiten, die nach Relevanz geordnet werden. Hierbei sind die ersten Plätze den sog. Advertisern, also Unternehmen die für ihr Produkt oder Dienstleistung werben wollen, vorbehalten. Wenn ein Nutzer mit einem solchen Link interagiert (zB. klickt), zahlt der Advertiser eine gewisse Gebühr an Google. 

Einen nicht gerade geringen Anteil dieser Einnahmen reinvestiert Alphabet in sogenannte Moonshots. Diese Projekte werfen zwar noch keine Umsätze ab, haben aber eine Menge Potential für eine zukünftige Upside. Mit der X Company hat Alphabet ein eigenes Vehikel nur für ihre Moonshots erschaffen. Die aktuell wohl spannendsten Projekte sind: Waymo (self-driving Car Projekt), Malta (umweltverträgliche Zwischenspeicherung von Energie) und Everyday Robot (leicht bedienbare Roboter für Hilfen im Alltag).

Marktumfeld

Durch die Variationsbreite der einzelnen Bestandteile gibt es kein Unternehmen, welches in direkter Konkurrenz zu Alphabet steht. Wenn man diese Bausteine allerdings einzeln betrachtet, findet man doch einige offensichtliche aber auch ein paar versteckte Wettstreiter. Mit fast 87% sichert sich die Suchmaschine Google den Löwenanteil des Markts. Den Rest müssen sich Bing, Yahoo, DuckDuckGo und ein paar kleinere Player teilen. Allerdings verliert Google in einigen Märkten signifikant Werbeumsätze, da Nutzer für spezifische Themen nicht mehr den Umweg über die Suchmaschine gehen, sondern direkt auf die gewünschte Webseite zusteuern. Beispiele hierfür sind Amazon für Shopping, Idealo für Preisvergleiche und Airbnb für das Buchen von Reiseunterkünften.

Konkurrenz zum Clouddienst liefern vorrangig die anderen Big Tech Unternehmen: Amazon AWS führt hier mit einem Marktanteil von 34%, gefolgt von Microsoft Azure mit 21%. Die Google Cloud belegt hier den dritten Platz mit 10%. Den Rest der Marktanteile teilen sich Alibaba (5%), IBM (4%), Salesforce (3%), Tencent (3%) und Oracle (2%).

Bei Youtube muss man bedenken, dass die tägliche Zeit, die jeder von uns für das Konsumieren von Videoinhalten zur Verfügung hat, auf natürliche Weise begrenzt ist. Das bedeutet pauschal: Wenn man seine Tageszeit mit der neuen Staffel seiner Lieblingsserie verbringt, ist man in der Regel keine weitere Stunde auf YouTube. Die Produkte von Netflix, TikTok und Nintendo unterscheiden sich zwar wesentlich von Alphabets Flimmerkiste, but if you play the Game of Attention, you win or you die.

Zahlen

Alphabet meldete im Juli 2022 einen Jahresumsatz von $280 Mrd., welcher leicht unter den Schätzungen der Analysten lag. Davon wurden in Q2 fast $70 Mrd. umgesetzt, was einem Wachstum von 13% YoY entspricht. Leider ist das nicht das Wachstum, welches wir von Google gewohnt sind. Ein Vergleich: Im Vorjahr ist der Umsatz des Techgiganten noch um sagenhafte 62% gewachsen, wobei hier der Corona Rückenwind sicherlich eine entscheidende Rolle gespielt hat. Der wichtigste Umsatzstrom bei Alphabet ist nach wie vor das Search Business, welches  mit  knapp über $40 Mrd. noch um 13.5% wachsen konnte. Wesentlich schlechter hat hier YouTube abgeschnitten. Die Videoplattform ist mit $7.34 Mrd. nur um 4.8% gewachsen. Auch Googles Cloud Business hat den Sprint verlangsamt. Während die Cloud im Vorjahr noch um 44% wachsen konnte, erreichte man dieses Jahr nur noch 36% mit $6.3 Mrd.. Das Operating Income wurde mit $19.5 Mrd. relativ stabil auf dem Level des Vorjahres gehalten, was in Anbetracht des wachsenden Umsatzes die Marge drückt.

Investment These

Nach wie vor ist Googles Search Business und die damit verbundenen Ads die ungeschlagene Cashcow des Unternehmens. Von der Perspektive eines potentiellen Investors ist daher wohl die wichtigste aller Fragen, wie widerstandsfähig Alphabets Kerngeschäft im Hinblick auf zunehmende Signale einer US-Rezession bleibt. Schätzungen aus dem Frühjahr zufolge, sollte der Werbemarkt 2022 um 9.2% wachsen. Unter der Berücksichtigung des Urkraine-Russland-Konflikts und der jetzt eintretenden Rezession, ist dieses Wachstum aus aktueller Sicht nicht mehr realistisch. Anders ausgedrückt: Wenn Unternehmen gezwungen sind zu sparen, wird Werbung sicherlich nicht auf der Liste der überlebensnotwendigen Ausgaben stehen. Für kurzfristige Anlagehorizonte ist Alphabet daher, wie viele andere Techaktien auch, nur mit viel Risikoappetit zu genießen. Wer aber genügend Zeit mitbringt und bereit ist die aktuelle Krise auszusitzen, bekommt mit der Alphabet Aktie ein Big Tech Unternehmen mit tiefem Burggraben und spannenden Zukunftstechnologien, dass auf einem historisch relativ niedrigem Umsatzmultiple von 5.7 gehandelt wird.