Adidas - kurz vorm Sprint oder Stolpergefahr?

Veröffentlicht am 06.08.2022

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Hat die Adidas Aktie das Potential, der Konkurrenz davon zu laufen oder wird sich der Abwärtstrend fortsetzen? Mit über 50% Verlust seit Höchststand im August 2021 wurde die Aktie der Adidas AG im Laufe des letzten Jahres drastisch abgestraft. Trotz dieser Einbußen im Kurs liefert der weltbekannte Sportartikelhersteller aus Deutschland im operativen Geschäft bisher konstant ab. Nun kommt jedoch die große Gewinnwarnung und die Schweizer Großbank UBS halbiert das Kursziel. Sollten Anleger also besser die Finger von der Adidas Aktie lassen?

Über Adidas

Schuhe, Bekleidung, Accessoires und vieles mehr – im Bereich der Sportartikel und sportlichen Alltagsprodukte sind die Produkte der Adidas AG, allen voran der Kernmarke Adidas, nicht wegzudenken. Vom Hauptsitz im süddeutschen Herzogenaurach aus gesteuert, werden die Produkte des zweitgrößten Konzerns in diesem Bereich (nach Branchenprimus Nike) in alle Welt verkauft. Insbesondere auch im Bereich der nachhaltigen Transformation strebt der Konzern an, vorbildlich dem Zeitgeist zu folgen und so soll bspw. ab 2024 ausschließlich recyceltes Polyester für die Produktion eingesetzt werden – überall „wo dies technisch möglich ist“.

Überblick der letzten Jahre

Bis auf ein schwaches Q2/2020, das ganz klar durch die vielen Probleme der COVID19-Pandemie verursacht war, hat die Adidas AG in den letzten zwei Jahren durchgehend solide Gewinne abliefern können. Die Jahresumsätze sind auf konstant hohem Niveau mit stets über 21 Mrd. €. Nichtsdestotrotz befindet sich die Aktie seit Höchststand von über 330 € im August 2021 nahezu im freien Fall auf unter 154 € im Juli 2022. Eine kurze, aber sehr deutliche Erholung um 25% gab es im März 2022 als neben den sehr guten Zahlen für 2021 vor allem eine rosige Aussicht für 2022 vorgelegt wurden, inklusive einem Gewinnwachstum von mindestens 20%. Zusammen mit einem KGV von 15.5 (Stand 01.07.2022) im Vergleich zum Konkurrenten Nike mit 27 ist das doch ein ganz klarer Kauf, oder etwa nicht?

Aktuelle Schwierigkeiten und Probleme

Ganz so leicht ist die Antwort nicht, da die Schlagzeilen um den Konzern in jüngster Zeit von problematischen Themen dominiert werden. Allen voran der Rückzug aus Russland, wo durch die Schließung von rund 500 Filialen ein Umsatzdefizit von ca. 250 Millionen € für das Jahr 2022 erwartet wird. Im März 2022 nahm man noch an, dass sich dies auf die Überschüsse nicht nennenswert auswirken würde, wobei die Entwicklungen in Q2/2022 andeuten, dass diese Prognose letztlich zu optimistisch war. Ein weiteres großes Sorgenkind ist auch das Chinageschäft. Durch die strikte No-COVID-Strategie der chinesischen Regierung, verbunden mit häufigen, scharfen Lockdowns wird das Verkaufsgeschäft drastisch einschränkt. In den letzten Monaten waren immer wieder bis zu 25 % der eigenen Stores von Adidas sowie teilweise 15 % der Partnergeschäfte geschlossen. Am wichtigsten Fertigungsstandort in Vietnam gab es zwischenzeitlich, bedingt durch die pandemischen Auswirkungen, sehr lange Werksschließungen, was zu Umsatzeinbußen von ca. 200 Millionen € geführt hat. 

Fundamentaldaten und Einschätzung

Im zweiten Quartal 2022, dessen Zahlen jüngst veröffentlicht wurden, zeigen sich die Auswirkungen der verschiedenen einzelnen Probleme schon recht deutlich, da der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um ca. 26% geschrumpft ist. In Zahlen: Von ca. 397 Mio. € auf 294 Mio. €. Gleichzeitig sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal von 5.1 Mrd. € auf 5.6 Mrd. € um ca. 10% angewachsen – trotz der Einbußen durch Filialschließungen in Russland und Produktionsschwierigkeiten in Vietnam. Durch den schwachen Euro reduziert sich dieses Wachstum währungsbereinigt allerdings auf 4%. Nach wie vor wird von einem höheren einstelligen Umsatzwachstum für das gesamte Jahr 2022 ausgegangen, was nur einer minimalen Negativkorrektur entspricht. Im Bereich der operativen Gewinne sprechen die Zahlen eine deutlich andere Sprache. Ausgehend von einem Jahresüberschuss von knapp 1.5 Mrd. € im Jahr 2021 waren ursprünglich 1.8-1.9 Mrd. € vorhergesagt, also ein Wachstum von über 20%. Mittlerweile geht man auf das gesamte Jahre 2022 von einem Überschuss von 1.3 Mrd. € aus, was einem fast 15% schlechteren Ergebnis entspricht. Die Schweizer Großbank UBS hatte die Aktie prompt von „Kauf“ auf „Neutral“ herabgestuft.

Fazit

Trotz der jüngsten Schwierigkeiten ist die Aktie, die aktuell preislich auf einem ähnlichen Niveau wie vor fünf Jahren notiert, als ein langfristig gutes Investment anzusehen. Zum damaligen Zeitpunkt lagen die operativen Gewinne, unter anderem durch die wenig profitablen und kurz darauf abgestoßenen Golf- und Eishockey-Sparten, noch deutlich unter dem nun erwarteten Niveau für 2022. Die Sorgen um weitere Gewinneinbrüche sowie allgemeine Stimmungen der Märkte sind unserer Ansicht nach überdurchschnittlich stark eingepreist, weshalb eine Erholung der Aktie wahrscheinlich ist, wenngleich das ganz große Wunder eher unwahrscheinlich scheint.

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